Man sollte den heiraten, in den man verliebt ist 🏳️‍🌈

Wie vielleicht einige von euch bereits auf Twitter gelesen haben, habe ich meine Ausbildung zur Erzieherin angefangen. Auf welchen Irrwegen ich jetzt doch noch dazu kam, darüber werde ich mal in einem gesonderten Beitrag berichten. 

Als ich heute im Kindergarten war, ergab sich folgendes Gespräch mit einem Kind: 
Kind: „Heiratest Du mal den S.? (S. macht ein 2- wöchiges Praktikum in der Nachbargruppe)

Ich: „Nein.“

Kind: „Heiratest Du einen anderen Mann?“

Ich: „Nein, ich möchte gar keinen Mann heiraten.“

Kind: „Willst Du mal eine Frau heiraten?“

Ich: „Ja, das würde ich gerne. Aber das ist leider in Deutschland nicht erlaubt.“

Kind: „Oh, warum denn nicht? Ist ja doof.“

Ich erklärte daraufhin mit kurzen Worten, dass die Politiker in Deutschland das nicht möchten, es aber dafür keinen sinnvollen Grund gibt und dass am Freitag entschieden wird, ob Männer in Zukunft auch Männer und Frauen andere Frauen heiraten dürfen.

Kind: „Die müssen das erlauben. Man soll doch den heiraten, in den man verliebt ist!“

Ich gab ihr innerlich strahlend recht und sie bat mich, dass ich ihr am Montag erzähle, wie „die Politiker“ entschieden haben. 

Kind: „Wenn die das erlauben, dann freust Du dich ganz doll, oder?“

Ich: „Ja, natürlich.“

Kind: „Dann freue ich mich auch!“
So einfach kann es sein. Sogar ein fünfjähriges Kind findet es einleuchtend, dass man denjenigen oder diejenige heiraten möchte, die/den man liebt. Und wenn das eben eine Frau ist, so what? An dieser Stelle übrigens ein dickes Dankeschön an alle Eltern, die ihrem Kind ein offenes und tolerantes Weltbild mitgeben, sodass es für sie selbstverständlich ist, dass Liebe in allen Farben und Formen existiert. 

Falls sich jemand fragt, wie ich auf der Arbeit mit meine Homosexualität umgehe: Genauso, wie jeder andere mit seiner Heterosexualität. Ich arbeite zwar in einem katholischen, aber sehr offenen Kindergarten und habe beschlossen, alle Fragen von Kindern offen und ehrlich zu beantworten. Alles andere wäre unauthentisch und das ist nicht das, was ich einem Kind vorleben möchte. 

Also, liebe Leute: Nehmt den Rat einer tollen fünfjährigen an und heiratet verdammt nochmal den, in den ihr verliebt seid. Egal, welches Geschlecht.

Wo Vergangenheit und Zukunft sich treffen

Heute habe ich einen Termin in dem Ort, in dem ich einen Teil meiner Kindheit verbracht habe. Ich war etwa eine halbe Stunde zu früh da und aus einer Laune heraus beschloss ich noch ein wenig spazieren zu gehen. Wo kann man besser spazieren gehen als auf den Feldwegen neben dem Haus, in dem ich früher gewohnt habe? Ich fahre  langsam an unserer alten Wohnung vorbei, schaue Gedankenverloren in mein Kinderzimmerfenster, an dem jetzt ganz andere Gardinen hängen. Ich fahre also gerade auf der Straße selbst mit dem Auto, die ich vor 13 Jahren mit Straßenkreide bemalt habe. Der Asphalt ist der selbe geblieben, aber ich bin eine andere Person. Ob ich damals, als Kind von vielleicht 6 Jahren auf die Idee gekommen wäre, dass ich einmal als junge Frau genau hier sitzen würde? Dass ich meine Schulzeit fast hinter mir haben würde, den Führerschein bestanden haben werde und gerade meine Ausbildung planen würde? Ob ich damals auch nur annähernd hätte ahnen können, wohin mein Weg mich führen würde? Hätte ich gewusst, was ich alles durchmachen würde, welche Schwierigkeiten sich mir in den Weg stellen würden dann hätte ich wohl das letzte bisschen kindliche Unbeschwertheit, das mein Vater mir gelassen hat ebenfalls verloren. Ich frage mich, was das kleine Mädchen von damals denken würde, wenn es mich heute sehen würde. Ich frage mich, ob sie stolz wäre, ob sie sich auf ihre Zukunft freuen würde, ob sie Angst hätte. Und ich muss an Meinen Brief an mein jüngeres Ich denken. Und würde diesem kleinen Mädchen, wenn es jetzt vor mir stehen würde, am liebsten Mut zusprechen. 

Ich schaue rüber zur Terrasse und frage mich, ob ich als Kind wohl auch schon einmal genau dorthin geschaut habe. Was habe ich dabei wohl gedacht? Wie habe ich mich gefühlt? Worüber habe ich mir Sorgen gemacht? Ich kann die Fragen nicht für damals beantworten, nur für jetzt. Wenn ich diesen Ort ansehe, fühle ich eine merkwürdige Beklemmung. Ich denke an die vielen bösen Worte, die ich mir an diesem Ort anhören musste. Viele vermissen die Unbeschwertheit ihrer Kindheit. Ich nicht. Etwas, das nie da war, kann man auch nicht vermissen. Das einzige, was ich sonst noch spüre, ist eine gewisse Nostalgie. Mein Gott, die Zeit vergeht also doch. Früher, als Kind dachte ich dass ich niemals älter werden würde oder dass es zumindest eine Ewigkeit dauern würde. Ich wende mich von dem Haus ab und beschließe, dass es genug ist mit dem zurück schauen. Ich bin froh, dass ich jetzt nach vorne schauen darf. Was mich da wohl erwartet? Zuerst einmal die Ausbildung als Erzieherin, für die ich mich gerade bewerbe. Warum ich mich dafür entschieden habe? Unter anderem, weil ich Kindern, die von Zuhause nicht genug Geborgenheit und Bestätigung mitbekommen haben diese geben möchte. Ich glaube, dass eine gute und glückliche Kindheit einen stark macht für alles, was im Leben auf einen zukommt. Die Verantwortung für diese gute Kindheit liegt bei denen, die ein Kind auf diesem Weg begleiten. (Ich mag das Wort Erziehung nicht – es klingt für mich zu sehr nach In eine bestimmte Form pressen, die andere gut finden) Das sind die Eltern, Verwandte, ErzieherInnen und Lehrer. Wenn ich dazu auch nur einen kleinen Beitrag leisten kann, wenn ich auch nur einem Kind zu mehr Selbstbewusstsein und Sicherheit verhelfen kann, dann habe ich meinen Job richtig gemacht. Und das ist dann der Punkt, an dem Vergangenheit und Zukunft sich treffen und eine Einheit bilden. Am Ende ergibt doch alles irgendwie einen Sinn.

Blogger schenken Lesefreude

Auch ich mache dieses Jahr bei Blogger schenken Lesefreude mit! Ich habe mich dazu entschlossen, 5 Exemplare meines Heftchens „Der Tag, an dem die Liebe auszog, um die Welt zu erkunden“ (Bei „Über mich“ unter „Publikationen“ erfahrt ihr, worum es in der Kurzgeschichte geht) zu verlosen. Um teilzunehmen, kommentiert ihr einfach diesen Beitrag und erzählt mir, was Bücher und lesen für euch bedeutet. Vielleicht konntet ihr es als Kind kaum abwarten, endlich Lesen zu lernen (wie ich) oder ihr habt Bücher lesen erst seit kurzem als neue Beschäftigung für euch entdeckt. Ich für meinen Teil lese total gerne, eigentlich alles mögliche ausser Liebesgeschichten. Falls ihr mir also euer Lieblingsbuch ans Herz legen wollt – ich freue mich über eure Tipps!

Das Stachelschwein in mir

“Die Stachelschweine” von Arthur Schopenhauer

Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertage recht nah zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder von einander entfernte. Wann nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so da sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab.

Als ich diese Parabel zum ersten Mal gelesen habe, war ich beeindruckt. Da beschreibt Schopenhauer genau das, was mein Problem mit anderen Menschen ist. Ich weiß, dass ich kein einfacher Mensch bin. Meine Stacheln sind lang und spitz, viele Menschen steche ich ohne es zu wollen. Ich bin ausgesprochen unsicher in der Kommunikation mit anderen, kann meistens nicht glauben, dass jemand meine Macken aushalten kann. Mir klappt die Kinnlade runter, wenn mich jemand als sympatisch oder einen netten Menschen bezeichnet. Je besser man mich kennt, das heißt je näher man an mich herankommt, desto tiefer sticht es. Ich schwanke immer zwischen „Komm her“ und „Geh weg“, denn einerseits liebe ich es, Menschen bei mir zu haben, andererseits habe ich selbst am meisten Angst vor meinen Stacheln. Die Stacheln der anderen ertrage ich bereitwillig, es gibt Menschen, bei denen registrieren ich nicht mal, wie tief ihre Stacheln in meinem Fleisch stecken. Aber wenn es um mich geht, habe ich panische Angst andere zu verletzen. Ich reflektiere mich selbst und meine Wirkung auf andere permanent und bin mir meiner schlechten Eigenschaften durchaus bewusst. Meine Ängste machen mich schwierig, meine Vergangenheit erschwert es mir, offen auf andere zuzugehen und ihnen zu vertrauen. Oft wirke ich abweisend, nur weil ich Angst vor zu viel Nähe habe. Ich bin undiplomatisch und sage immer sehr direkt, was ich denke. All diese Faktoren machen es nicht unbedingt leicht, mit mir umzugehen und ich scheue mich davor, das anderen zuzumuten.

Die Menschen, meine Stacheln und ich

Wenn ich Menschen neu kennen lerne, habe ich oft das Gefühl, dass sie meine Stacheln übersehen oder unterschätzen. Während sie immer näher an mich heranrücken, kann ich schon sehen, wie sie sich an mir wund stechen. Aus lauter Angst gehe ich dann auf Abstand. Das sind die Momente, in denen ich meine Stacheln hasse und am liebsten abschneiden würde. Aber so einfach ist das nicht, denn irgendwo sind wir alle Stachelschweine und die haben nun mal am ganzen Körper spitze Stacheln. Mir ist bewusst, dass es nicht möglich ist zu leben ohne andere Menschen zu verletzen. Jedoch bin ich bestrebt, den von mir verursachten Schaden möglichst gering zu halten. Ich frage mich jedoch auch, ob die von Schopenhauer beschriebene „mittlere Entfernung“ wirklich die beste Lösung ist. Sie macht es einem schwer, wirkliche Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen. Die Herzenswärme und Liebe der anderen kann dann zwar erahnt, aber nicht wirklich gespürt werden. Auch man selbst kann noch so viel Wärme und Liebe in sich tragen – aufgrund der Entfernung kommt sie bei den Menschen um uns herum nicht an, sondern geht in der Weite des Raums verloren. Oft frage ich mich, was schlimmer ist: Die aus der Entfernung resultierende emotionale Einsamkeit oder das schlechte Gewissen, welches das Verletzen anderer Menschen mit sich bringt. Darf man so etwas überhaupt fragen? Unter der emotionalen Einsamkeit leide ja nur ich – aber sobald ich andere verletze, lade ich eine Schuld auf mich. So fühlt es sich zumindest für mich an. Oder stecken noch mehr Menschen in diesem Dilemma? 

Manchmal bringt mich dieses Hin und Her zur Verzweiflung. Ich sehe das ja nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen. Immer wieder fällt mir auf, dass Menschen sich immer wieder anziehen und abstoßen, abziehen und abstoßen. Es ist nun mal so, dass der Mensch nach Zugehörigkeit, Halt und Stabilität strebt. Er sucht diese in allen möglichen Dingen: Freund, Familie, Bekannte, Partner. Der Mensch ist eigentlich sein ganzes Leben lang auf der Suche. Irgendwann möchte man dann ankommen, schließlich wäre ein Leben, welches nur aus Suchen und Hin-und-Hergerissen-Sein besteht auf die Dauer unbefriedigend.

 

Auch unsere Gesellschaft hat Stacheln

 

Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat, bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.

Dieser letzte Satz stimmt mich traurig. Weil er stimmt. Ich kenne einige Menschen mit viel „innerer Wärme“ sprich einem großen, liebenden Herzen und sehe immer wieder, wie Ihnen das zum Verhängnis wird. Unsere Gesellschaft ist hart, unbarmherzig und nimmt keine Rücksicht. Individuelle Befindlichkeiten jucken (fast) niemanden. Wir hacken aufeinander herum, immer heisst es „Ich! Ich! Ich!“ niemals „Wir“. Dabei hat das Wir mehr Kraft als das Ich, aber wen interessiert das, wenn es darum geht, der Beste zu sein, die Karriereleiter zu erklimmen und sich auf Kosten anderer zu bereichern? Wer schert sich um die Geschichte des Einzelnen, wenn es immer nur um Oberflächlichkeiten geht?

Wer die beschriebene innere Wärme hat, der hat auch das Bedürfnis, andere zu wärmen und wird daher die Nähe anderer suchen. Doch er wird auch immer wieder stechen und gestochen werden. Mein Eindruck ist, dass das Schwanken zwischen Nähe und der Angst vor den daraus resultierenden Schmerzen eines der größten Dilemmata der Menschheit ist, denn egal was man tut, es wird immer Schaden verursacht. Vielleicht besteht der Trick darin, die richtige Balance zu finden, aber zu einer wirklichen Lösung bin auch ich noch nicht gekommen. Vielleicht wird man auch irgendwann abgehärtet gegen die Stacheln der anderen? Um das sagen zu können, fehlt mir einfach die Lebenserfahrung. Aber bis ich diese gesammelt habe, werde ich wohl noch oft verletzen und verletzt werden.

Ein Stöckchen und 11 Fragen

Frau Kassiopeia von Souffleurlos hat mir ein Stöckchen zugeworfen – und weil ich es liebe, Fragen zu beantworten habe ich es gerne gefangen. Viel Spaß beim Lesen!
1.) Welche ist deine liebste Kindheitserinnerung?

Der Tag meiner Kommunion. Meine ganze Familie war da, alle haben sich verstanden und ich habe mich in meinem Kleid wunderschön gefühlt.

2.) Welcher Moment war der schlimmste deines Lebens? Als du dachtest, du wirst nie wieder glücklich?

Der Tag, an dem mein Vater mir sagte, dass er mich nicht mehr als seine Tochter sehen würde. Er sei von nun an nur noch mein Geldgeber, denn als Tochter hätte ich versagt. Das war so hart für mich, vor allem, weil er immer mein Vorbild war und ich so sein wollte wie er. Heute weiss ich, dass es gut ist, dass ich nicht so bin wie er. Immerhin habe ich ein Herz. Sogar ein ziemlich großes!

3.) Bist du glücklich gerade?

Im Großen und ganzen ja. Ich bin gesund, ich habe wunderbare Menschen an meiner Seite. Es gibt zwar vieles, was ich aufarbeiten muss, aber ich denke das wird werden.

4.) Welcher Ort wärmt dein Herz?

Das Meer! Für mich der Ort, an dem ich am besten auftanken kann.

5.) Wenn du gerade woanders sein könntest, wo oder bei wem wärst du dann?

Mit meiner besten Freundin am Meer…

6.) Ein Buch, das dich verändert hat?

„Der Anschlag“ von Stephen King

„Die Hütte“ von Paul William Young

7.) Ein Hobby für das du gern Zeit fändest?

In den letzten Wochen lese ich auf Instagram immer wieder vom Brush Lettering. Ich finde das total cool, weiss aber, dass es viel Übung braucht und die Zeit dazu habe ich vermutlich nicht.

8.) Was magst du überhaupt nicht an dir?

Meine Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen.  Ich habe immer das Gefühl, etwas falsch zu machen und reflektiere mich und mein Verhalten extrem viel.

Dass ich meistens ziemlich unsympatisch und desinteressiert im Kontakt mit anderen Menschen rüberkomme, aber das ist einfach meine Unsicherheit.

Dass ich meine Vergangenheit nicht loslassen kann. 

9.) Was mögen andere an dir?

Meine Freunde sagen immer, ich wäre der einzige Mensch, der zu 100% loyal ist. Für die Menschen, die ich liebe würde ich alles geben. Meine beste Freundin schätzt besonders an mir, dass ich gut zuhören kann und eigentlich in jeder Situation Trost und Wärme geben kann – sagt sie. 

10.) Wofür hättest du gern Mut?

Um zu mir, zu dem was ich bin und dem was ich fühle zu stehen.

11.) Der Soundtrack deines Lebens?

Lana Del Rey – Summer Wine

Ich wär so gerne stark: Leben mit einer Angststörung

Ich wär gerne ein starker Mensch. So einer, der kämpfen kann. Einer, der immer lacht, auch wenn die Welt dunkel erscheint. Einer, der sich einen Ängsten stellt und über sich hinauswächst. Aber das bin ich nicht. Ich habe gekämpft, aber ich habe eine Kriegsverletzung davon getragen: Meine Angststörung. Sie begleitet mich seit Jahren, sie ist wie ein grauer Schleier, der über mir schwebt. Wenn ich schnell genug davonrenne, weht sie mir hinterher wie ein Umhang, aber wenn ich stolpere oder sogar hinfalle, verdeckt sie mein Gesicht und trübt meine Sicht.

Ich habe gesagt, meine Angststörung wäre eine Kriegsverletzung. Nun ja, ich glaube eher, dass sie aus vielen Verletzungen besteht, denn sie hat so viele Facetten und Gesichter. Sie kann auf die unterschiedlichsten Arten mein Leben und meine Beziehungen zu anderen Menschen behindern und erschweren. Da diese Art von psychischer Störung erstens sehr individuell und zweitens sehr komplex und vielschichtig ist, habe ich mal versucht, alle Einflussfaktoren zu erfassen und ein bisschen darüber zu erzählen.

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#notiert 1

Loslassen heißt nicht vergessen, genau so wenig wie verzeihen vergessen bedeutet. Es heisst einfach, dass ich einer Person oder einem Ereignis nicht mehr die Macht gebe, mein Leben zu bestimmen. Wenn ich loslasse und verzeihe, sehe ich ganz neutral und ruhig, was passiert ist und erkenne, dass das Ereignis in der Vergangenheit liegt. Ich erkenne an, dass es passiert ist, darüber gibt es nichts zu diskutieren, aber ich akzeptiere und beschließe, nach vorne zu schauen und um eine Erfahrung reicher zu sein. Diese bewahre ich in meinem Herzen.

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Was gegen Angst und Panik hilft? Atmen, erkennen, dass man Angst hat. Es ist in Ordnung. Es ist nicht lächerlich. Atmen und hindurchgehen, ich verspreche Dir, dass Du am anderen Ende wieder herauskommst und wünsche Dir Menschen, die Dich am anderen Ende mit offenen Armen empfangen und auffangen.
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Ich finde, das ist das schwerste überhaupt: Der Vergangenheit vergeben. Dabei hat sie keine direkten Auswirkungen mehr auf Dich. Sie hat vielleicht Deine jetzige Situation oder Deine Gefühlslage hervorgerufen, aber mehr auch nicht. Du darfst Angst haben. Angst, dass die Vergangenheit sich wiederholt. Immer und immer wieder. Aber erkenne Deine Angst an, lass sie zu, sie hat die Berechtigung, da zu sein, auch wenn sie dir Unbehagen bereitet. Gib ihr jedoch nicht die Macht, deine Zukunft zu bestimmen oder mit Angst und Unsicherheit in die Zukunft zu blicken.

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Viele denken, Selbstwert käme von aussen. Aber er hängt  nicht davon ab, was andere von uns denken oder wie sie auf uns reagieren. Auch wenn es zu den schwersten Aufgaben im Leben gehört, musst Du lernen, Dich selbst zu würdigen, so wie Du bist. Diese Aufgabe kannst nur Du alleine ausführen.

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Ich glaube, dass andere nicht für das, was wir fühlen verantwortlich sind. Vielleicht lösen sie mit ihren Handlungen bestimmte Reaktionen bei uns aus, vielleicht tun sie das sogar absichtlich. Aber dennoch denke ich, dass unsere Gefühle, diejenigen, die einfach plötzlich da sind immer unsere Verletzungen widerspiegeln. Auch wenn diese schon Jahre zurückliegen, auf diese Art und Weise haben sie immer noch Macht über uns. Erst wenn wir uns den verletzten Teil in uns selbst ansehen, die Verletzung hinterfragen, akzeptieren und dann loslassen, können wir unangenehme Gefühle in der Gegenwart loswerden.

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Wenn du versuchst, einen Fehler zu rechtfertigen, hälst du an ihm fest. Deine Erklärungen verhindern, dass Du ihn als geschehen annehmen kannst. Belüge Dich nicht selbst, davon wird nichts besser. Stehe zu dem, was du falsch gemacht hast und bekenne Dich zu dem, was du in dem Moment gedacht oder gefühlt hast. In der Zukunft hast Du noch genug Chancen, Dein Denken und Deine Gefühle in derartigen Momenten zu verändern.

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Vollkommenheit kann man nicht erzwingen. Sie kommt nur, wenn man den Wunsch, andere zu beeindrucken und damit seinen falschen Stolz aufgibt.

Das ist so Gedankenzeugs, was ich immer wieder auf meinem Handy aufschreibe wenn ich nachdenke. Vielleicht interessiert es ja jemanden oder kann sogar jemandem helfen…

Glücksmomente – Was es damit auf sich hat

Glück und Alltag, das sind manchmal Dinge, die scheinbar so weit auseinander liegen. Man hat wenig Zeit, vor allem für sich selbst nicht und wundert sich, warum man irgendwann einfach nicht mehr kann. Gerade deswegen ist es wichtig, auf die kleinen Dinge im Alltag zu schauen und sich regelmäßig kleinere oder größere Glücksmomente zu gönnen.

Carpe-Kairos

Glücksmomente sind Momente, in denen man das Gedankenkarussell im Kopf abschalten kann und die einem Kraft geben, Momente, von denen man lange zehrt. Man kann sie alleine erleben, mit Freunden oder mit seiner Familie.  Im Prinzip ist es das, was ich  so gerne als Kairos bezeichne. Pia von DailyPia hat mit den Glücksmomenten eine Art kleine Serie angefangen, bei der jeder, der einen Blog oder Instagram hat mitmachen kann: Jeden Montag berichtet man über die Glücksmomente der vergangenen Woche, gerne auch mit Fotos. Mein erster Glücksmomente-Beitrag wird am nächsten Montag erscheinen. Wer gerne selbst mitmachen möchte, der schreibt seinen Link in die Kommentare, sodass ich eine Liste aller Glücksmomente-Blogger erstellen kann und sich jeder die Glücksmomente der anderen ansehen kann. Das Logo, welches ich erstellt habe, könnt ihr sehr gerne als   Artikelbild für eure eigenen Glücksmomente-Beiträge verwenden. Auf Instagram kann man gerne unter dem Hashtag #GlüMo mitmachen.

Kurzurlaub in Köln

Wie vielleicht einige von euch bereits auf Instagram gesehen haben, habe ich kürzlich 2 Tage in Köln verbracht. Darüber möchte ich jetzt hier ein bisschen berichten.

Wann, wo und mit wem?

Im Sommer waren meine Freundin und ich eine Woche auf Fehmarn campen. Dort auf dem Campingplatz (den ich übrigens sehr empfehlen kann) haben wir zwei Jungs in unserem Alter kennengelernt, die neben uns gezeltet haben. Wir haben uns super verstanden, aber leider wohnen die beiden in Lübeck. Von Heilbronn aus ist das ja nun wirklich kein Katzensprung…

Trotzdem wollten wir gerne den Kontakt halten und uns wieder sehen, daher haben wir beschlossen, ein paar Tage in einer Stadt zu verbringen, die auf halbem Weg liegt. Nach einem Blick auf die Landkarte haben wir uns für Köln entschieden, das sind mit dem Zug (IC) für jeden von uns etwa 4 Stunden. Außerdem war noch niemand von uns dort und mir haben bereits einige Leute erzählt, dass Köln eine wirklich coole Stadt ist.

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Von Erwartungen und Druck

Ehrlich gesagt wird mir gerade alles ein bisschen zuviel. Ich weiss nicht, ob das hier überhaupt irgendjemanden interessiert, aber ich muss mir jetzt einfach mal den Frust von der Seele schreiben. Und sind Blogs nicht auch dafür da, dass ich schreiben kann was auch immer mir durch den Kopf geht?

Seit diesem Schuljahr bin ich in der Kursstufe. Und es ist so verdammt hart. Ich will nicht jammern, immerhin strebe ich den in Deutschland höchsten erreichbaren Bildungsabschluss an. Ich bin ein Mensch, der  viel Zeit für sich braucht. Das mag vor allem an der Hochsensibilität liegen. Nun weiss ich aus Erfahrung: Stressige Phasen, in denen ich fast jeden Tag eine Arbeit schreibe, machen mich psychisch unglaublich fertig. In den letzten Jahren hatte ich den Stress immer nur vor Weihnachten, weil da immer sehr viele Arbeiten und Präsentationen anstehen. Doch dieses Jahr geht es andauernd so. Und dementsprechend bescheiden geht es mir leider auch.

Ich komme mit dem lernen kaum noch hinterher, schlafe schlecht und der Stress macht sich körperlich bemerkbar. Diesen Monat habe ich nicht mal mehr meine Tage bekommen. Die Ostheopatin, bei der ich aufgrund einer HWS-Blockade war, meinte zu mir, dass mein Körper meiner inneren Anspannung nicht mehr lange stand halten würde. Und da muss ich ihr leider Recht geben.

Vor allem die Klausurenphasen machen mich total kaputt. Ich habe keine Ahnung, wie ich mein Abitur schaffen soll, ohne den Verstand zu verlieren, weil ich einfach nicht mehr kann.

Es ist ja nichtmal unbedingt so, dass ich bis spät nachts dasitze und lerne. Es ist einfach dieser Druck, alles unter einen Hut bringen zu müssen. Natürlich versuche ich Prioritäten zu setzen, aber ich bin einfach eine Perfektionistin und will immer alles richtig machen. Für meine Eltern spiele ich die gute Schülerin, für meine Lehrer versuche ich so pflichtbewusst wie möglich zu sein, und meiner besten Freundin versuche ich eine gute Zuhörerin und eine tolle Freundin zu sein. Es sind zu viele Erwartungen, zu viele Ansprüche.

Vor allem von der Seite meiner Eltern ist der Druck gerade unglaublich hoch. Sie gehen fest davon aus, dass ich jetzt mein Abi schaffe, sie reden immer wieder auf mich ein, dass ich diese 1,5 Jahre jetzt noch durchziehen soll. Und nein, ich soll nicht nur einfach Abi machen, es soll auch noch überragend gut sein. Meine Pläne, dual zu studieren werden kritisiert, weil ich doch laut meinem Vater lieber an die Uni gehen soll, weil das ja viel akademischer ist, man viel mehr lernt und ohne Masterstudium wird man ja eh Hartz 4 Empfänger. Ja nee, ist klar.

Ich weiss, dass ich gerade nicht annähernd die Leistungen erziele, die ich gerne möchte. Meine Noten sind so mittelmäßig, für mich selbst und das, was ich gerne tue habe ich schon lange keine Zeit mehr. Meistens zähle ich die Stunden bis zum Wochenende und wünsche mir einfach nur, ein paar Stunden abschalten zu können. Wenn ich von der Schule heimkomme und keine Ahnung habe, wo ich anfangen, weil es so viel zu erledigen gibt, dann will ich eigentlich nur in mein Bett und hundert Stunden schlafen. Ich bin sooo froh, wenn endlich Ferien sind und ich hoffe so sehr, dass ich dann ein bisschen abschalten kann. Denn so wie es jetzt ist kann es nicht weitergehen, das weiss ich selbst. Das Karusell in meinem Kopf kippt bald um vor lauter Gedanken, To-Do’s, Ansprüchen und Erwartungen. Ach, ich weiss doch auch nicht.

Jetzt, wo ich mein Gedankenchaos verschriftlicht habe, denke ich wieder dass ich einfach nur zu schwach bin. Da draußen gibts Menschen, die haben mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen. Ich denke da an Familien, alleinerziehende Mütter, oder Menschen, die mit Schicksalsschlägen kämpfen. Und ich jammere hier auf hohem Niveau. Fakt ist aber einfach, dass ich an meine Grenzen stoße und nicht weiss, welcher Weg für mich der richtige ist. Lieber ein gutes Fachabitur als ein schlechtes Abi? Ich habe keine Ahnung. Und momentan bleibt mir wohl nicht viel anderes übrig, als es auf mich zukommen zu lassen und gleichzeitig auf mich acht zu geben. Manchmal denke ich, vielleicht ist es ein Zeichen. Ein Zeichen, dass mein Weg einfach woanders hinführen soll. Wenn ich denn nur wüsste, wohin.